Blattdüngung zur Behebung von Bormangel in Frischmarkt-Möhren
1. Versuchsdurchführung
Regionetzwerk NRW, Einzelversuch
2. Hintergrund
Die Möhre ist das flächenstärkste Bio-Feldgemüse in Deutschland (Ökolandbau NRW 2025) und dominiert auch in Nordrhein-Westfalen den Bio-Markt. (Feld-)Gemüseanbau ist im Vergleich zum Ackerbau mit einer intensiveren Wirtschaftsweise verbunden, was Beikrautmanagement sowie Wasser- und Nährstoffbedarf angeht. Aufgrund der hohen Produkterlöse können sich zusätzliche Maßnahmen, die das Anbausystem optimieren, bereits durch verhältnismäßig geringe Ertragssteigerungen lohnen.
Auf sandigen Böden kann es besonders in niederschlagsreichen Regionen zu Bormangel kommen (Bruckner 2025). Mikronährstoffmangel ist auch in Möhren ein in letzter Zeit häufig diskutiertes Thema (Buck 2022, Gärttling 2025), jedoch erzielte eine Ergänzung ohne vorliegenden Mangel keine positiven Effekte auf Ertrag oder Qualität (Gärttling 2025). Auf einem NutriNet-Betrieb, der am Niederrhein auf überwiegend sandigen Standorten wirtschaftet, zeigten die Bodenuntersuchungen auf einigen Möhrenflächen deutlichen Bormangel an, sodass der Effekt einer Bordüngung als bedeutend eingeschätzt und in einem Praxisversuch näher untersucht wurde.
3. Versuchsfragen
Kann eine Bor-Blattdüngung bei angezeigtem Mangel im Boden die Erträge oder Qualitäten von Frischmarkt-Möhren verbessern?
4. Versuchsaufbau
| Standortbeschreibung | |
|---|---|
| Boden-Klima-Raum | 148 (südwestliches Weser-Ems-Gebiet / sandige Böden) |
| Höhe (m ü. NHN) | 21 |
| Bodenart | schluffiger Sand, 35 Bodenpunkte |
| Jahresniederschlag in mm | 778 (langj. Mittel) 193 (Saat bis Ernte) |
| Durchschnittstemperatur in °C | 10,7 |
| Ausgangslage auf der Versuchsfläche vor Versuchsanstellung | |||
|---|---|---|---|
| Fruchtfolge | Luzernegras - Brokkoli - Möhre | ||
| Düngung | 20 t Rindermist (Februar), 300 kg Haarmehlpellets (Mai) | ||
| Pflegemaßnahmen | Flämmen, Hacken, Häufeln, Jäten | ||
| Bodenuntersuchungen | März 2025 | Juni 2025 | |
| pH: | 5,9 C | 5,7 C | |
| Humusgehalt: | 2,5 % (Corg: 1,45) | 2,3 % (Corg: 1,33) | |
| P2O5 [mg/100g] | 32 D | 30 D | |
| K2O [mg/100g] | 13 C | 10 C | |
| Mg [mg/100g] | 4 C | 5 D | |
| Cu [mg/kg] | 2,4 E | 2,8 E | |
| B [mg/kg] | 0,18 A | 0,18 A | |
| Mn [mg/kg] | 22 C | 24 C | |
| Zn [mg/kg] | 5,2 E | 5,1 E | |
| Versuchsparameter | |
|---|---|
| Versuchstyp* | Praxisforschungsanlage (Einzelversuch) |
| Anlagetyp | verschränkte Düngefenster (Parzellenversuch) |
| Prüffaktor/en | Bor-Blattdüngung |
| Faktorstufen | Bordüngung, zwei Anwendungsstufen Kontrolle |
| Anzahl Wiederholungen | 3 |
| Prüfmerkmale | Ertrag Möhre Inhaltsstoffe Möhrenlaub und -körper zur Ernte (Makro- und Mikronährstoffe) Sortierung Möhre (Verkaufsware/ Ausschussware) |
| Versuchszeitraum | 03/2025 - 08/2025 |
* Eine Beschreibung verschiedener Versuchstypen und einiger Grundbegriffe der Versuchsanstellung finden Sie hier (pdf-Datei, 0,4 MB).
Versuchsskizze
Legende
| Bezeichnung | Variante | [Menge/Saatstärke/Anwendung] |
|---|---|---|
| Bor1 | Bordüngung, doppelter Entzug | 7 kg EPSO bortop/ha |
| Bor2 | Bordüngung, vierfacher Entzug | 14 kg EPSO bortop/ha |
| Kontrolle | Kontrolle/ Ausgleichsdüngung | 5,5 kg EPSO top/ha |
Damit der Effekt der Bordüngung gut sichtbar ist, wurden die Düngemengen hoch angesetzt; zwei Varianten mit doppeltem und vierfachem Bor-Entzug (ausgehend von 500 dt/ha Frischmasse-Ertrag) wurden gewählt. Dies entspricht einer Düngung von 0,28 bzw. 0,56 kg Bor/ha. Als Düngemittel wurde EPSO bortop verwendet, das Bor als Spurennährstoff in einem Magnesiumsulfat-Dünger enthält. Sulfatdünger haben eine höhere Verfügbarkeit als Einzel-Mikronährstoffdünger, die in chelatierter Form im Ökolandbau größtenteils unzulässig sind.
Daher wurde die Kontrolle mit 5,5 kg/ha EPSO top (Magnesiumsulfat) so ausgeglichen, dass die Nährstoffmenge der der geringeren Bordüngung (7 kg EPSO bortop) entsprach.
Wie in vergangenen Versuchen (Magnesium- und Mikronährstoffdüngung von späten Bio-Lagermöhren) wurden die Parzellen in verschränkten Düngefenstern angelegt. Dabei wird das Feld mehrmals mit den Blattdüngern in geringerer Dosierung überfahren und jeweils andere Teile des Feldes freigelassen, bis aus der Kombination der Überfahrten die Parzellen mit den summierten Applikationsmengen entstehen.
6. Ergebnisse und Diskussion
6.1 Versuchsverlauf
Zum Zeitpunkt der Bordüngung lag im Boden und im Blatt laut der entsprechenden Nährstoffanalysen Bormangel vor, allerdings ohne Symptome am Blatt.
Der Bestand war zur Versuchsernte stark verunkrautet, sodass vor der maschinellen Ernte vorgejätet wurde. Zudem kam es nesterweise zu Schaden durch Nematodenbefall.
6.2 Effekt der Bordüngung
Der mittlere Marktertrag im Versuch lag bei 632 dt/ha. Bei Roh- und Marktertrag, Krautgewicht oder Sortierung konnten keine signifikanten Unterschiede zwischen den Varianten ermittelt werden. Es gab große Unterschiede zwischen den einzelnen Blöcken, die die Unterschiede durch die Bordüngung überlagerten. Auch bei den Nährstoffgehalten waren keine absicherbaren Effekte feststellbar. Die Gehalte in Blatt und Möhrenkörper waren durch die Bordüngung leicht erhöht (Bor1), ohne allerdings durch die höhere Borgabe (Bor2) nochmals gesteigert zu werden (Tabelle 1). Zur Ernte lagen die Gehalte auch in der Kontrolle im ausreichenden Bereich.
| Variante | Borgehalt Blatt [mg/kg TM] | Borgehalt Möhre [mg/kg TM] |
|---|---|---|
| Kontrolle | 41,2 a | 35,5 a |
| Bor1 | 45,6 a | 35,8 a |
| Bor2 | 44,7 a | 35,9 a |
7. Diskussion
Mikronährstoffdüngung wird, auch im ökologischen Landbau, meist zur Qualitätsabsicherung eingesetzt. Durch Düngung mit organischen Materialien ist häufig ein Grundniveau der Mikronährstoffversorgung hergestellt. Ob die Mikronährstoffdüngung ertragswirksam wird, ist von vielen Faktoren abhängig, vor allem von der langfristigen Bilanz der Düngung und der tatsächlichen Versorgung auf dem jeweiligen Standort. Die bisherigen Versuche im Regionetzwerk NRW aus den Jahren 2022 und 2023 konnten, trotz nachgewiesenem Nährstoffmangel, nur in Einzelfällen Ertragseffekte zeigen.
Wie auch in zuvor veröffentlichten Versuchen (Gärttling 2025) festgestellt, ist im Möhrenanbau meist nicht die Mikronährstoffversorgung ertragslimitierend, sondern das komplette Auflaufen, eine konsequente Bestandspflege und – bei spät geernteten Möhren – auch die Anwendung von Pflanzenschutz entscheidend. Im vorliegenden Versuch waren wahrscheinlich vor allem der Beikrautdruck und der Nematodenbefall ertragslimitierend.
Dass die Bordüngung erfolgreich und dem Versuchsdesign entsprechend appliziert wurde, zeigen die gesteigerten Gehalte in Blatt und Möhre. Die Blattgehalte lagen, trotz zwischenzeitlichen Mangels, auch ohne Düngung zur Ernte wieder in einem normal versorgten Bereich. Durch den ungleichmäßigen Bestand kann keine sichere Aussage zur Ertragswirksamkeit der Bordüngung getroffen werden. Eine Verbesserung der Borversorgung ohne Ertragseffekt konnte auch in der Vergangenheit in zwei Versuchen gezeigt werden (Auswirkungen von Mikronährstoffdüngung auf Ertrag und Qualität in Bio-Lagermöhren, Magnesium- und Mikronährstoffdüngung mit und ohne Pflanzenschutz bei Lagermöhren). In Letzterem wurde festgestellt, dass von den gedüngten Mikronährstoffen nur Bor auch in den Möhrenkörper verlagert wurde – dies stimmt mit den Beobachtungen des vorliegenden Versuchs überein.
8. Fazit und Ausblick
Aufgrund der ungleichmäßigen Bedingungen im Feld kann keine Aussage zum Ertragseffekt der Bordüngung bei Frischmarkt-Möhren getroffen werden. Wie in vergangenen Versuchen verbesserte die Bordüngung die Borgehalte in Blatt und Möhre.
Die Einflüsse der Bestandsführung, insbesondere durch Nematoden- und Beikrautdruck, überlagerten die Effekte der Mikronährstoffdüngung. Dies zeigt anschaulich, dass ein gutes und aktives Bestandsmanagement die naheliegendste Methode der Ertragssteigerung ist. Erst bei gut geführten Beständen kann eine Mikronährstoffdüngung als sinnvoll erachtet werden.
9. Weitere Infos
- Buck (2022): Paradigmenwechsel im Bio-Lagermöhrenanbau. ÖKOmenischer Gärtnerrundbrief 01 (2022): 30-34.
- Bruckner (2025): Bor (B). Aufgerufen am 16.12.2025.
- Gärttling (2025): Auswirkungen von Mikronährstoffdüngung und Pflanzenschutz auf Ertrag und Qualität von Bio-Möhren.
- Ökolandbau NRW (2025): Gemüseanbau in Deutschland 2024.
Kontakt Regioberaterin

Julia Kelders
Tel. +49 221 5340-115
Julia.Kelders(at)lwk.nrw.de




