Anbau von Feinleguminosen: Gemengeanbau
Durch die Kombination mehrerer Arten lassen sich im Vergleich zur Reinsaat zahlreiche pflanzenbauliche und ökologische Vorteile erzielen. In der Praxis werden vor allem Luzerne und Rotklee im Feldfutterbau sowie Weißklee als Weideleguminose und ebenfalls im Feldfutterbau genutzt. Darüber hinaus stehen aber auch weitere stickstofffixierende Leguminosen und geeignete Nicht-Leguminosen für einen Gemengeanbau zur Verfügung.
Gemenge statt Reinsaat: Was bringt das?
Feinleguminosen werden häufig im Gemenge mit Gräsern angebaut. Unabhängig davon, welche Arten in welchem Verhältnis miteinander kombiniert werden, können sich hieraus ganz grundlegende ackerbauliche Vorteile ergeben:
- höhere Nutzungselastizität durch Gräser als Gemengepartner; d.h., dass der Erntezeitpunkt etwas flexibler ist als bei reinen Leguminosenbeständen.
- bessere Bodendurchwurzelung durch das intensive Büschelwurzelwerk der Gräser und damit positive Auswirkung auf den Boden und seine Fruchtbarkeit.
- bessere Befahrbarkeit der Fläche und erleichterte Ernte, da eine tragfähige und bodenschließende Grasnarbe entsteht.
- höhere Konkurrenzkraft gegenüber Beikräutern im Vergleich zu einer Reinsaat. Ein Futterleguminosen-Gras-Gemenge kann Beikräuter besser unterdrücken. Neben der dichteren Grasnarbe spielen dabei auch verschiedene Beschattungsmuster durch die unterschiedlichen Arten eine Rolle.
- gesteigerte Stickstofffixierung und -nutzungseffizienz, da das Gras als Gemengepartner den restlichen im Boden vorhandenen Stickstoff aufnimmt, wodurch die Fixierleistung der Leguminosen angekurbelt sowie einer möglichen Nitratauswaschung vorgebeugt wird.
- bessere Ertragsleistung und -stabilität. Dieser Effekt in den Gemengen ist darauf zurückzuführen, dass sich die Ressourcennutzung einzelner Arten unterscheidet und ergänzt, z.B. durch variierende Wurzeltiefen, Nährstoffansprüche und unterschiedliche Hauptwachstumsphasen.
Gemengeanbau als Anpassung an Trockenheit
Mit fortschreitendem Klimawandel nehmen Trockenperioden während der Vegetationsperiode in vielen Regionen an Häufigkeit und Intensität zu. Dadurch steigt auch im Feldfutterbau das Risiko für dürrebedingte Ertragsverluste. Auch aus diesem Grund lohnt es sich, dem Anbau von Gemengen aus mehreren legumen und nicht-legumen Arten Aufmerksamkeit zu schenken. Gemengeanbau kann durchaus als Anpassungsstrategie des Futterbaus an Klimawandel und Trockenheit betrachtet werden. Grundlage hierfür ist die zuvor beschriebene Nischenkomplementarität, bei der sich die Arten hinsichtlich ihrer Ressourcennutzung ergänzen.
Wasser kann in einem artenreichen Gemenge effizienter genutzt werden als in einer Reinsaat, da durch die unterschiedlichen Arteigenschaften das verfügbare Bodenwasser räumlich und zeitlich unterschiedlich erschlossen wird. Die knappe Ressource Wasser wird dadurch zwar kontinuierlich über einen langen Zeitraum der Vegetationsperiode genutzt, jedoch nicht gleichzeitig von allen Arten in maximaler Intensität beansprucht. Das kann die inner- und zwischenartliche Konkurrenz um Wasser reduzieren und es den einzelnen Arten ermöglichen, während ihrer jeweiligen Hauptwachstums- und Ertragsbildungsphase auf größere Wasserreserven zuzugreifen.
Dadurch kann ein Gemenge häufig stabiler auf Trockenstress reagieren als eine Reinsaat. Anbauversuche konnten zeigen, dass Gemenge unter Trockenstress ein Ertragsniveau erreichen können, das mit dem ungestresster Futterleguminosen-Reinsaaten vergleichbar ist. Falls einzelne Arten aufgrund trockener Bedingungen dennoch in ihrem Wachstum zurückfallen, können andere Arten die freiwerdenden Ressourcen nutzen und einen Teil der Ertragseinbußen kompensieren. Das Risiko vollständiger Ertragsausfälle kann auf diese Weise verringert werden.
Artenwahl und -zusammensetzung
Hat man sich aufgrund der vielfältigen Vorteile grundsätzlich für den Anbau eines Gemenges entschieden, kommt es nun noch darauf an, die passenden Arten zu wählen und die Zusammensetzung zu bestimmen. Hierbei kann man sich an der vorgesehenen Nutzungsart, der geplanten Standdauer und an den gegebenen Standortbedingungen orientieren.
Nutzungsart
Um das passende prozentuale Mischungsverhältnis von Leguminosen zu Gras im Saatgut zu bestimmen, ist ausschlaggebend, wie das Schnittgut später auf dem Betrieb verwertet werden soll: Soll der Bestand siliert werden, ist ein ausreichend hoher Grasanteil notwendig, um den Gehalt an Kohlenhydraten im Schnittgut zu erhöhen und damit dessen Silierbarkeit zu gewährleisten.
Standdauer
Entscheidend ist für die Artenwahl und -zusammensetzung auch, ob das Gemenge mehrjährig etabliert werden soll. Dann ist ein höherer Anteil an Luzerne zu wählen, da diese ab dem zweiten Hauptnutzungsjahr einen ausdauernden Bestand bildet. Rotklee ist aufgrund seiner nicht allzu langen Nutzungsdauer, aber dafür hohen Ertragsleistung im ersten Nutzungsjahr häufiger in überjährigen Mischungen vorzufinden. Weißklee als Lückenfüller und Narbenschließer eignet sich in allen Gemengen als Zusatzkomponente.
Standortbedingungen
Der möglicherweise wichtigste Aspekt, der bei der Auswahl der Arten Beachtung finden sollte, ist, ob die jeweiligen Standortbedingungen mit den Standortansprüchen der Arten zusammenpassen (Artenwahl). Denn die Ansprüche von feinkörnigen Leguminosen an Klima und Boden variieren so stark, dass für jeden Standort unterschiedliche Empfehlungen ausgesprochen werden können und müssen.
Standortangepasste Gemengezusammensetzung
Die Kombination von meist flach wurzelnden Gräsern und tiefer wurzelnden Futterleguminosen ist vorteilhaft, da diese unterschiedliche Nischen nutzen und dadurch weniger in Konkurrenz zueinander stehen. Innerhalb der Futterleguminosen- und Gräserarten kann noch weiter differenziert werden. Tendenziell wurzeln beispielsweise Obergräser tiefer als Untergräser. Die nachfolgend aufgeführten Gemenge sind für zwei Standorte konzipiert, die sich vor allem hinsichtlich ihrer Wasserversorgung unterscheiden.
Ein Gemenge, das sich für trockene und eher leichte Standorte eignet, könnte zum Beispiel die Arten Gewöhnlicher Hornklee, Gelbklee und Luzerne sowie Rotschwingel (Festuca rubra) als Untergras und Knaulgras (Dactylis glomerata) sowie Wiesenlieschgras (Phleum pratense) als Obergräser enthalten. Innerhalb der Futterleguminosen lassen sich die Arten hinsichtlich der Eigenschaften Wurzeltiefe und Entwicklungsgeschwindigkeit abstufen: Während der Gelbklee durch eine anfangs zögerliche, dann aber rasche Jugendentwicklung charakterisiert ist, zeigt der Hornklee eine langsame Etablierung und sein Hauptwachstum erst im Hochsommer. Die Hauptertragsbildung der Luzerne verschiebt sich sogar erst auf das zweite Hauptnutzungsjahr, weshalb sie sich besser mit Gräsern mit einer langsamen Jugendentwicklung wie Wiesenlieschgras kombinieren lässt als mit konkurrenzstarkem und zügig wachsendem Deutschen Weidelgras (Lolium perenne). Bei der Wurzeltiefe liegt dann Luzerne mit einer mehrere Meter tief reichenden Pfahlwurzel vorn, wohingegen Gelbklee eine Wurzeltiefe von lediglich 60 cm aufweist. Der Hornklee gehört wie die Luzerne zu den Tiefwurzlern, reicht aber nur etwa 1 – 2 m in den Boden. Weitere Gräserarten, die sich für den Gemengeanbau in trockenen Lagen und auf leichteren Böden eignen, sind u.a. der Glatthafer (Arrhenaterum ela tius L.) und die Wehrlose Trespe (Bromus inermis Leyss.).
Ein Gemenge für frische bis feuchte Standorte hingegen könnte aus Rotklee, Schwedenklee und Weißklee sowie Deutschem oder einjährigem Weidelgras (Lolium perenne oder Lolium multiflorum Lam. var. Westerwoldicum Wittm.) als Untergras und Wiesenschwingel (Festuca pratensis) sowie ebenfalls Wiesenlieschgras (Phleum pratense) als Obergräser bestehen. Hinsichtlich der Entwicklungsgeschwindigkeit fällt der Weißklee hier durch seine zügige Jugendentwicklung und rasche Alterungsprozesse auf, während Rot- und vor allem Schwedenklee ihre Hauptwachstumsphase erst später im Jahr haben. Bezüglich der Wurzeltiefe setzen sich insbesondere Rotklee als Tiefwurzler (1 – 2 m Tiefgang) und Weißklee als Flachwurzler (0,6 – 0,8 m Tiefgang) komplementär voneinander ab. Schwedenklee sortiert sich mit einer mittleren Durchwurzelungstiefe dazwischen ein.
Weitere Kleearten im Gemenge helfen zudem hetereogene Standortbedingungen auszugleichen. Neben Weißklee als Ausgleich auf Bereichen mit geringem pH ist zum Beispiel Hornklee als trockentolerante und winterharte Leguminose eine gute Ergänzung für Luzernekleegrasmischungen auf mageren Sandböden bzw. sandigen Teilflächen.
Zusätzlich zum Artengemenge sind auch Sortengemenge ertragssichernd: in einem Praxisversuch im NutriNet brachte die italienische Luzernesorte Eugenia im ersten Hauptnutzungsjahr den besten Ertrag und wurde im zweiten Hauptnutzungsjahr von der deutschen Sorte Plato übertroffen. Es wird empfohlen, zwei bis drei Luzernesorten in einer Mischung zu kombinieren.
Text: Amanda Birkmann und Charlotte Kling
Durchsicht/ fachliche Prüfung: Irene Jacob und Katharina Winter
Linktipps
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