Wie bewerten Landwirt*innen gemeinsame Netzwerkversuche?

Seit 2019 erforschen im NutriNet knapp 60 Bio-Betriebe gemeinsam, wie sich das Nährstoffmanagement im Ökolandbau weiter verbessern lässt. Die Landwirt*innen führen auf ihren Betrieben Feldversuche durch und tauschen sich in Field Schools regelmäßig zu Fachthemen aus. Für die gemeinsame Forschung wurde im NutriNet ein neuer Ansatz entwickelt: der sogenannte Netzwerkversuch. Dabei wird dieselbe Versuchsfrage auf mehreren Betrieben bearbeitet. Die notwendigen Wiederholungen eines Versuchs werden somit über verschiedene Standorte hinweg sichergestellt. Für die einzelnen Betriebe bedeutet dies im besten Fall einen geringeren Arbeitsaufwand durch eine einfache Versuchsanlage, während gleichzeitig belastbare Ergebnisse entstehen können.

Doch wie bewerten die am Projekt beteiligten Landwirt*innen diesen Ansatz? Und welchen Nutzen sehen sie für ihr eigenes Nährstoffmanagement? Diesen Fragen wurde im Rahmen einer Online-Umfrage nachgegangen, welche zwischen Ende 2025 und Anfang 2026 lief.

Insgesamt nahmen 43 Betriebe vollständig an der Befragung teil. Damit beteiligte sich mehr als die Hälfte aller Projektbetriebe an der Umfrage. Von den Befragten gaben 74 Prozent an, bereits an einem Netzwerkversuch teilgenommen zu haben und somit gemeinsam mit anderen Betrieben Fragestellungen zum Nährstoffmanagement untersucht zu haben.

Forschungsergebnisse unterstützen betriebliche Entscheidungen

Die Rückmeldungen zeigen, dass die Versuchsergebnisse für viele Betriebe einen konkreten Mehrwert bieten. 24 der befragten Landwirtinnen, also insgesamt 56 Prozent, bewerteten die Ergebnisse als „eher hilfreich” bis „sehr hilfreich” für Entscheidungen im betrieblichen Nährstoffmanagement. Weitere 14 Personen (33 Prozent) beantworteten die Frage mit „teils/teils“.
 

Insgesamt gaben 27 der befragten Landwirt*innen (63 Prozent) an, dass sie durch ihre Teilnahme am NutriNet Elemente des Nährstoffmanagements auf dem Betrieb geändert haben. Genannte betriebliche Veränderungen lassen sich dabei unmittelbar auf die im Projekt bearbeiteten Versuchsthemen beziehen. Die Betriebe berichteten insbesondere von Anpassungen in Bereichen, zu denen auf den Höfen bereits Versuche durchgeführt wurden. Dazu zählen:

  • Anpassungen der Fruchtfolge, insbesondere durch den stärkeren Einbezug von Zwischenfrüchten
  • Veränderungen beim Zeitpunkt des Umbruchs von Kleegras
  • Anpassungen von Zeitpunkt und Art der Düngung
  • Veränderungen in der Bodenbearbeitung

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Praxisforschung nicht nur neues Wissen erzeugt, sondern auch konkrete betriebliche Veränderungen anstößt. Die Erkenntnisse aus den Versuchen fließen zum Teil direkt in Entscheidungen auf den Betrieben ein und werden unter realen Praxisbedingungen weiter erprobt.

Netzwerkversuche: Chancen und Herausforderungen

Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Netzwerkversuche wird von vielen Teilnehmenden positiv bewertet. 33 Landwirt*innen – fast 77 Prozent der Umfrageteilnehmenden – schätzen dieses Verhältnis als ausgewogen bis sehr günstig ein.

In der Umfrage gaben die Landwirt*innen an, dass sie in Netzwerkversuchen vor allem eine praxisnahe und in ihrem betrieblichen Alltag vergleichsweise einfach umzusetzende Form der Forschung sehen. Besonders geschätzt werden die belastbareren Datengrundlagen, die durch die Durchführung derselben Versuche auf mehreren Betrieben entstehen, sowie die Möglichkeit, Ergebnisse direkt miteinander zu vergleichen und darüber in den Austausch zu kommen. Folglich betonen einige Befragte insbesondere den fachlichen Austausch und das gemeinsame Lernen von Erfolgen und Herausforderungen, die [LH5.1][u25.2][AD5.3]die Netzwerkversuche ermöglichen.

Gleichzeitig weisen die Rückmeldungen darauf hin, dass Netzwerkversuche auch Anforderungen an die Zusammenarbeit stellen: So müssen gemeinsame Fragestellungen und Vorgehensweisen abgestimmt werden, was Kompromisse erforderlich machen kann. Zudem äußerten einige Teilnehmende die Sorge, dass betriebliche Besonderheiten in den Ergebnissen nicht immer ausreichend berücksichtigt werden oder dass die Übertragbarkeit der Ergebnisse auf den eigenen Betrieb begrenzt sein könnte.

Blick nach vorn: Was macht Praxisforschung erfolgreich?

Wie können die Stärken von Netzwerkversuchen weiter ausgebaut und bestehende Herausforderungen besser berücksichtigt werden? Mit dieser Frage beschäftigt sich die projektbegleitende Evaluation.

Durch die kontinuierliche Beobachtung von Projekttreffen und -verläufen sowie der Befragung der beteiligten Landwirt*innen und Projektmitarbeiter*innen werden Erfolgsfaktoren und Hemmnisse der Praxisforschung systematisch untersucht. Ziel ist es, herauszuarbeiten, welche Rahmenbedingungen und Strukturen für eine erfolgreiche Zusammenarbeit notwendig sind und wie insbesondere Netzwerkversuche bestmöglich gestaltet werden können.

Die Erkenntnisse werden zum Ende des Projekts in einem Handbuch zusammengefasst. Dieses soll zukünftigen Praxisforschungsprojekten als Orientierung dienen und konkrete Hinweise für die Planung und Umsetzung liefern. Das Handbuch wird nach Projektabschluss über die Projektwebseite zur Verfügung gestellt.

Text: Suse Brettin, Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde
 

Ansprechpartnerin

Suse Brettin.

Suse Brettin
Tel. +49 3334 657-383
Suse.Brettin(at)hnee.de

Letztes Update dieser Seite: 17.06.2026