Kartoffel im Fokus – Feldtag im Regionetzwerk Bayern

Ende Juli fand im Regionetzwerk Bayern ein Feldtag zum Kartoffelanbau statt. Auf dem Betrieb Grabendorfer Agrar GmbH & Co. KG in Ingolstadt konnten die Teilnehmenden gleich zwei Feldversuche mit Kartoffeln besichtigen: Einen Kalium Düngeversuch mit Korn- und Patentkali sowie einen Sortenversuch mit Fokus auf die Anfälligkeit verschiedener Sorten und Stämme gegenüber Stolbur und SBR. Stolbur und SBR sind Erkrankungen versursacht durch mikrobielle Erreger, die durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen werden. 

Der Bioland-Betrieb Grabendorfer Agrar wird seit rund 25 Jahren nach den Grundsätzen des ökologischen Landbaus bewirtschaftet. Für den viehlosen Ackerbaubetrieb ist die Kartoffel eine wichtige Kultur und wird nahezu ganzjährig gelagert und vermarktet. Zur Sicherung der Nährstoffversorgung im Kartoffelanbau gibt es eine Futter-Mist-Kooperation mit einem ökologischen Legehennenbetrieb in der Region, organische Handelsdünger werden aktuell nicht eingesetzt. Stolbur und SBR sind ein großes Thema in der Region um Ingolstadt, die Gegend ist ein bundesweiter Hotspot.

Kali-Strategien und Auswirkungen auf den Stärkegehalt

In einem NutriNet-Versuch wird auf dem Betrieb Grabendorfer Agrar und zwei weiteren NutriNet-Betrieben in Bayern aktuell die Wirkung von Korn- und Patentkali verglichen. 
Aus der Literatur ist bekannt, dass chloridhaltige Düngemittel wie Kornkali den Stärkegehalt von Kartoffeln reduzieren können. Dies soll im Versuch unter den Bedingungen des ökologischen Landbaus überprüft werden. Der chloridhaltige Dünger Kornkali könnte insbesondere für den Einsatz bei Speisekartoffeln interessant sein, da neben dem Stärkegehalt womöglich auch das Risiko für Blaufleckigkeit reduziert werden könnte. Angesichts der sich verändernden klimatischen Bedingungen mit immer häufigeren Trockenperioden besteht im Kartoffelbau zudem die Gefahr, dass eine zu hohe Stärkeeinlagerung die Qualität im Lager beeinträchtigt. Was den Dünger außerdem interessant macht: Kornkali ist deutlich günstiger im Einkauf als Patentkali.

Je 10 Tonnen Ertragserwartung wurden im Versuch 60 kg K2O gedüngt. Am Betrieb Grabendorfer liegt der erwartete Ertrag bei 30 t / ha und die Düngemenge damit bei 180 kg K2O / ha. Nach der Ernte werden die Knollen auf ihren Stärke- und Kaligehalt untersucht und die Ergebnisse der drei Versuchsstandorte bei den Versuchsergebnissen des Regionetzwerks Bayern veröffentlicht.

Sortenspezifische Anfälligkeit gegenüber Stolbur und SBR

Sowohl Stolbur als auch SBR beeinträchtigen den Zuckertransport vom Kraut in die Wurzel und verursachen Schäden, die bei Kartoffeln zu „Gummiknollen“ oder „Fadenkeimigkeit“ führen. Im Kraut weisen Verfärbungen und aufgerollte Blattränder auf die Erkrankung hin (siehe Foto), die im weiteren Verlauf zum frühen Absterben der befallenen Pflanzen führt. 

Am Betrieb Grabendorfer Agrar werden aktuell Kartoffelsorten und  zuchtstämme im Hinblick auf ihre Anfälligkeit gegenüber Stolbur und SBR untersucht.  Der Versuch wird von Dr. Karen Sieber, ForKa, in Zusammenarbeit mit Charlotte Nothelfer und der Arbeitsgruppe IPZ 3 der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft unter Leitung von Adolf Kellermann durchgeführt. 

Insgesamt werden zehn Sorten und 38 Zuchtstämme geprüft. Zwei von insgesamt vier Wiederholungen befinden sich unter einem Insektenschutznetz, um den Einfluss der Vektoren Schilf-Glasflügelzikade möglichst auszuschließen und einen direkten Vergleich „mit“ und „ohne“ Vektordruck zu ermöglichen. Der Bestand wurde drei Mal bewässert und weitgehend von Krautfäule und Kartoffelkäfer freigehalten. 

Der Flug der Schilf Glasflügelzikade wurde im Frühsommer mit Klebefallen überwacht und erreichte sein Hauptaufkommen zwischen dem 16. Juni und dem 1. Juli. PCR Analysen zeigten, dass die gefangenen Zikaden beide Erreger trugen. 

Nach dem Hauptflug wurden die Pflanzen im offenen Versuchsteil bonitiert. Erfasst wurden typische Symptome wie Gelb  oder Rotfärbung der oberen Blätter, Welke, Luftknollen sowie Wiederaustrieb aus unteren Blattachseln. Die Pflanzen zeigten zum Zeitpunkt des Feldtages deutliche Symptome von Stolbur / SBR.

Nach der Ernte erfolgt eine Bewertung des Ernteguts hinsichtlich Knollenzahl, Ertrag und Stärkegehalt. Zusätzlich werden die Knollen mittels PCR auf beide Erreger untersucht und Keimtests durchgeführt, um die Auswirkungen der Infektion auf Vitalität und Entwicklung der Knollen zu erfassen.

Die gewonnenen Daten sollen sowohl die Sortenwahl in der Praxis unterstützen als auch die züchterische Weiterentwicklung hin zu robusteren, gegenüber Stolbur und SBR weniger empfindlichen Kartoffeltypen fördern.

Letztes Update dieser Seite: 26.08.2026