Anbau von Feinleguminosen: Aussaatzeitpunkte und -methoden
Die Etablierung von Futterleguminosen ist auf verschiedenste Arten möglich. Bewährt hat sich in vielen Betrieben die Ansaat nach der Getreideernte bis Ende August nach vorheriger Stoppelbearbeitung als Blanksaat. Auch die Saat mit einer Deckfrucht zur Kornernte (z.B. Roggen) oder einer Deckfrucht zur Futternutzung (z.B. mit Wicken) funktioniert häufig gut. Die Saatstärken der Futterleguminosen bzw. der Gemenge variieren je nach Art und Mischung meistens zwischen 25 bis 35 kg/ha.
Bei ausreichend Bodenfeuchte ist auch die Untersaat in Wintergetreide (z.B. Dinkel, Roggen) mit der letzten mechanischen Beikrautregulierung im Frühjahr eine gute Etablierungsmethode. Dabei kann die Saatstärke etwas reduziert werden. Mulchen oder Mähen der Stoppel nach der Ernte kann ggf. den Wiederaustrieb verbessern.
Auch im Frühjahr kann die Etablierung gleichzeitig mit einer Deckfrucht zur Futternutzung (z.B. Grünhafer) oder zur Kornnutzung (z.B. Sommerhafer) erfolgen. Durch die Deckfrucht zur Futternutzung kann der Ertrag des ersten Schnitts gesteigert werden, da die meisten Klee- und Gräserarten sehr langsam in ihrer Jugendentwicklung sind. Die Saat sollte je nach Standort zwischen Anfang und Ende April erfolgen.
Eine Blanksaat im Frühjahr ist grundsätzlich möglich, man riskiert jedoch eine höhere Verunkrautung, Erosion und/oder Ausfall aufgrund von Trockenheit.
Zusammenfassend sind also folgende Ansaatverfahren möglich:
- Blanksaat = Aussaat von Futterleguminosen-Gras-Gemenge ohne eine weitere Kultur.
- Deckfrucht = eine Kultur zur Korn- oder Futternutzung, unter der das Futterlegumiosen-Gras-Gemenge etabliert wird.
- Untersaat = das spätere Aussäen von Futterleguminosen-Gras-Gemengen in den Deckfruchtbestand.
- Beisaat = das gleichzeitige Aussäen von Futterleguminosen-Gras-Gemengen und Deckfrüchten.
Auf den Internetseiten des Demonet KleeLuzPlus finden Sie ausführliche Kulturanleitungen für Futterleguminosen bzw. für den Gemengeanbau mit Gras sowie weiterführende Informationen zu den feinsamigen Leguminosen.
Saatbett und Düngung
Der Saatbettbereitung sollte mindestens so viel Aufmerksamkeit geschenkt werden, wie bei einer Druschfrucht. Die Feinsämereien müssen gleichmäßig flach auf 1 – 1,5 cm abgelegt werden, um einen gleichmäßigen Feldaufgang zu gewährleisten. Die Rückverfestigung sollte mit der Walze sichergestellt werden, gerade wenn trockene Bedingungen herrschen.
Auch die Pflanzenernährung ist wichtig für homogene und gut versorgte Bestände. Besonders zu achten ist auf eine ausreichende Nährstoffversorgung mit Calcium/Kalk, Kalium und Schwefel, die durch Mineraldüngung sichergestellt werden kann. Die Calcium-Düngung sollte vor allem bei Luzerne bereits zur Aussaat erfolgen, da sie einen besonders hohen Calcium-Bedarf zur Knöllchenbildung hat. Je nach Kalkart dauert es etwas, bis das Calcium wirksam wird. Kalium und Schwefel sollten auf leichten Böden nur im Frühjahr ausgebracht werden, da sie leicht auswaschbar sind.
Etablierung unter trockenen Bedingungen
Unter trockenen Bedingungen ist ein Luzernekleegras dem Rotkleegras vorzuziehen. Grundsätzlich können mehrjährige Futterleguminosen im Herbst oder im Frühjahr etabliert werden. Trockene Standortbedingungen erschweren die Etablierung. Von vielen Landwirt:innen auf besonders sandigen Standorten (Ackerzahl < 30) wird die Etablierung im Herbst als Blanksaat bevorzugt, da das Risiko für Trockenphasen direkt nach der Aussaat geringer ist und die Winterfeuchte genutzt werden kann. Dabei ist es entscheidender, ein Sommergewitter mit relevanten Regenmengen > 15 Liter abzuwarten, als dass die Aussaat unbedingt bis Ende August erfolgen muss. Durch längere Vegetationsperioden hat die Luzerne auch bei Aussaat Mitte September genug Wachstumszeit vor dem Winter. Eine Etablierung im Frühjahr als Untersaat ist aufgrund der typischen Frühsommertrockenheit riskanter und eher auf Böden mit höherer Wasserspeicherkapazität (Ackerzahl > 30) und nur bei ausreichend Niederschlag zu empfehlen. Die Etablierung von Futterleguminosen erfordert damit eine gewisse Flexibilität in der Fruchtfolge.
Futterleguminosen wachsen langsam und gerade die Luzerne kann ihre positiven Eigenschaften meist erst im zweiten Hauptnutzungsjahr entfalten. Um im ersten Jahr bereits einen Futterschnitt zu bekommen, können schnell wachsende einjährige Futterpflanzen als Beisaaten gleichzeitig mit dem Luzernekleegras im Herbst gesät werden. Die Beisaaten werden im Frühjahr als erster Schnitt beerntet und stehen damit nur von der Aussaat bis Mai in Konkurrenz zur Luzerne. In Praxisversuchen im NutriNet in Brandenburg ermöglichte die Beisaat (pannonische) Wicke eine guten ersten Futterschnitt, ohne langfristig die Luzernebiomasse zu verringern. Da die Wicken mit dem ersten Schnitt abgefahren werden, stellen diese im weiteren Vegetationsverlauf im Gegensatz zu Druschgetreide als Deckfrucht keine weitere Wasserkonkurrenz dar.
Zusammenfassend hängt der Etablierungserfolg von Futterleguminosen von vielen Stellschrauben ab. Entscheidend sind ein feinkrümeliges Saatbett, eine abgestimmte Düngung und der Aussaatzeitpunkt. Auf dieser Basis können mit Gemengepartnern und Deckfrüchten zur Futternutzung die Futter- und Stickstofferträge weiter optimiert werden.
Text: Charlotte Kling und Amanda Birkmann
Durchsicht/ fachliche Prüfung: Irene Jacob, August Bruckner und Katharina Winter
Der Text basiert auf einer früheren Fassung von August Bruckner, Hannes Schulz und Alexander Watzka.
NutriNet-Praxisversuche zum Thema
Linktipps
Literaturtipps
- Birkmann, A (2022) Prüfung der Anbaueignung verschiedener Futterleguminosen und Futterleguminosen-Gras-Gemenge für den Standort Brandenburg unter dem Einfluss des Klimawandels. Masterarbeit an der HNE Eberswalde
- Duke, JA (1981): Handbook of LEGUMES of World Economic Importance. Boston, MA: Springer US
- Frame, J (2005): Forage Legumes For Temperate Grasslands. Boca Raton, London, New York: CRC Press, Taylor & Francis Group.
- Freyer, B; Pietsch, G; Hrbek, R & Winter, S (2005): Futter- und Körnerleguminosen im biologischen Landbau. Leopoldsdorf: avBuch.
- Munns, D.N. (1970) Nodulation ofMedicago sativa in solution culture. Plant Soil 32, 90–102. doi.org/10.1007/BF01372849
- Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft (Hrsg.) (2006) Feldfutterbau und Gründüngung im Ökologischen Landbau. Information für Praxis und Beratung. Sächsische Landesanstalt für Landwirtschaft, Dresden
- Sheaffer, CC & Seguin, P (2003) Forage Legumes for Sustainable Cropping Systems. In: Journal of Crop Production 8 (1-2), S. 187–216. DOI: 10.1300/J144v08n01_08

