Luzerneanbau in Zeiten des Klimawandels

Luzerne-Kleegrasmanagement in Zeiten des Klimawandels mit Fokus auf die Auswahl der Luzernesorten: So lautete das Thema des NutriNet-Feldtags Ende Juni auf dem Netzwerkbetrieb Keidel in Unterfranken.

Regioberater Johannes Weiß begrüßte die Teilnehmenden und gab einen kurzen, aber prägnanten Überblick zum Projekt NutriNet, dessen Ziele, Inhalte und Aufbau in ganz Deutschland. Im Anschluss nannte Betriebsleiter Sebastian Bausewein die Eckdaten und Schwerpunkte seines Betriebs. Er betreibt Ackerbau, Viehhaltung von Mutterkühen und Ochsenmast. Dementsprechend ist der erfolgreiche Anbau von Futterleguminosen einerseits wichtig für die Futtererzeugung, andererseits von größter Bedeutung für die ökologische Fruchtfolge. Die Sommer sind an seinem Standort in Unterfranken sehr trocken. Bausewein nimmt am Projekt teil, um sich mit Berufskolleg*innen auszutauschen und um nach Lösungen für die veränderten klimatischen Gegebenheiten zu suchen. Dazu gehören beispielsweise starke Trockenheitsphasen, auf die er mit angepasster Bewirtschaftung und neuen Sorten reagieren möchte. Aufgrund der in der Regel ausgeprägten Sommertrockenheit in diesem Gebiet steht die Luzerne als Futterleguminose im Fokus. Einleitend dazu erläuterte Dr. Stephan Hartmann von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Grundsätze der Sortenwahl, die spezifischen Sortenvorteile und die dazugehörige Produktionstechnik des Luzerneanbaus.

Aus der Praxis lernen

Im Anschluss erklärte Regioberater Weiß den exakten Aufbau der Praxisversuche und die Ergebnisse des ersten Schnittes. Zu Beginn der Wachstumsperiode fiel die Sorte La Rocca beispielsweise auf durch eine zügigere Jugendentwicklung. Bei Beprobung des ersten Schnittes stellte sich jedoch heraus, dass alle weiteren Sorten diesen Vorsprung in der fortlaufenden Wachstumsperiode aufgeholt hatten. Die Sorte FrankenNeu hat im Vergleich den höchsten Ertrag ergeben, was auch statistisch abgesichert ist.

Dann schauten die Besucher*innen die Demonstrationsanlagen des Luzernesortenversuchs direkt auf dem Feld an. Hierbei gingen Sebastian Bausewein und die Berater auf viele unterschiedliche Fragestellungen ein. So hielt Stephan Hartmann es für empfehlenswert, Luzerne vor der Saat zu impfen, sofern die Pflanze erstmals oder nach einer langen Pause wieder auf dem Schlag angebaut werden soll. Sebastian Bausewein ging nochmals auf die einzelnen Vor- und Nachteile unterschiedlicher Etablierungsverfahren ein.

Schnitthöhe ist entscheidend

Ob sich eine Reinsaat im Herbst oder die Ansaat unter einer Deckfrucht im Frühjahr besser eignet, ist sehr stark vom Niederschlagsniveau des jeweiligen Betriebsstandortes abhängig. Auch über die Schnitthöhe von Luzerne wurde diskutiert. Hierbei riet Hartmann dazu, sich den Bestand vor bzw. während des Mähens anzuschauen, da der unterste Blattspross maßgebend für die Schnitthöhe ist. Dieser sollte stehen bleiben, damit die Luzerne nach dem Schnitt wieder schnell austreibt und zügig neue Sprossmasse und eine gute Bodenbedeckung bilden kann. Die Schnitthöhe muss gegebenenfalls also von Feld zu Feld variiert werden.

Der anfangs starke Unterschied in der Jugendentwicklung der unterschiedlichen Sorten und die spätere Wende der ertragsstärkeren Sorte bestätigen die grundsätzliche Anlage des Versuchs und ermutigen die teilnehmenden Landwirt*innen, vergleichbare Praxisversuche auf den eigenen Flächen durchzuführen. Der gastgebende Betriebsleiter Sebastian Bausewein bekräftigte den Wunsch, den Versuch fortzuführen, sodass die Werte aus mehreren Jahren die Ergebnisse des ersten Jahrs bestätigen oder auch widerlegen.

Hintergründe der Praxisversuchsdurchführung finden Interessierte hier.

 

Der Feldtag in Bildern

Einleitend erläuterte Dr. Stephan Hartmann von der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft die Grundsätze der Sortenwahl, die spezifischen Sortenvorteile und die dazugehörige Produktionstechnik des Luzerneanbaus. Foto: Johannes Weiß

Die Teilnehmenden begutachten auf dem Acker, wie die verschiedenen Luzernesorten sich entwickelt haben. Foto: Johannes Weiß

Text : Johannes Weiß, NutriNet Regioberater Bayern und Naturland Beratung

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Letztes Update dieser Seite: 14.05.2024