Der digitale Spaten – Bodenuntersuchung in 20 Sekunden

Der dritte NutriNet-Feldtag in Bayern fand am 19. August 2021 auf dem Betrieb von Netzwerklandwirt Markus Moser in Eggenfelden statt. Thema des Tages waren Bodenuntersuchungsmethoden und deren Nutzen und Einsatz für den praktischen Ökobetrieb.

Zu Beginn stellte Regioberater Johannes Weiß von der Fachberatung für Naturland den Teilnehmenden kurz das Projekt NutriNet vor, in dessen Rahmen der Feldtag statt fand. 60 ökologisch wirtschaftende Betriebe aus ganz Deutschland befassen sich in dem Projekt mit dem Nährstoffmanagement auf ihren Betrieben. So auch Markus Moser, Naturland Landwirt aus Südbayern. Besonders die Auswirkungen von Dünge- und Bewirtschaftungsmaßnahmen auf die komplexen Zusammenhänge im Boden beschäftigen den Landwirt bei der täglichen Arbeit. Bodenuntersuchungen sind hierbei ein Instrument, um den aktuellen Zustand des Bodens besser einschätzen zu können. Doch welche Bodenuntersuchungsmethode ist für welche Fragestellung besonders geeignet? Neben den staatlich anerkannten Bodenuntersuchungsmethoden nach VDLUFA oder EUF stehen viele alternative Varianten wie Unterfrauner oder Interpretationen der Albrecht-Methode (Kinsey) zur Verfügung. Da fällt die Auswahl manchmal schwer.

Die eigenen Sinne nutzen

Naturland Berater Werner Vogt-Kaute beschäftigt sich schon lange mit dieser Thematik und versuchte im ersten Vortrag des Tages etwas Licht in den „Boden“ zu bringen. Als Basis für die Einschätzung des Bodens nennt er keine bestimmte Untersuchungsmethode – im Gegenteil: das Nutzen der eigenen Sinne und die Beobachtungen über das Jahr hinweg seien oftmals schon eine gute Hilfe, um den Boden besser zu verstehen. Wichtig seien die eigenen Sinne auch bei der Interpretation der Bodenuntersuchungsergebnisse. Aufgrund des großen Umfangs seien gerade die Ergebnisse der Unterfrauner- oder Kinsey-Analysen auf den ersten Blick oft schwer verständlich. Entsprechend sollten Düngungsempfehlungen mit Vorsicht analysiert und gegebenenfalls mit einem Berater abgestimmt werden.

Der digitale Spaten in Theorie und Praxis

Eine weitere Möglichkeit der Bodenuntersuchung stellte im Anschluss das junge Unternehmen Stenon vor, welches als Start-up einen „digitalen Spaten“ entwickelt hat, der in Sekundenschnelle den Boden rund um die Einstichstelle analysiert. Niels Grabbert, einer der Unternehmensgründer, erklärte den Teilnehmenden des Feldtages die Entwicklung und die Funktionsweise dieses besonderen Spatens. Der Spaten nutzt verschiedene Messsysteme bzw. Sensoren, von der Nahinfrarotspektroskopie (NIRS) bis hin zu elektrochemischen Messungen, mit denen die vielfältigen Bodenparameter bestimmt, analysiert und übersichtlich dargestellt werden. Das Gerät beprobt die Ackerkrume bis zu einer Tiefe von 30 Zentimetern. Für ein Messergebnis muss der Spaten drei Mal eingestochen werden, aus den drei Ergebnissen wird ein valider Analysewert errechnet. Auf diese Art kann ein Acker systematisch oder abhängig von Bodenunterschieden abgelaufen und analysiert werden. Die Ergebnisse werden direkt und mittels GPS-Zuordnung punktgenau gespeichert und übersichtlich auf dem Tablet oder dem PC dargestellt. Laut Grabbert seien bei den konventionellen laborbasierten Bodenuntersuchungsmethoden die größten Unsicherheitsfaktoren die Probennahme bis zur Versendung sowie die Probenaufbereitung im Labor. Diese ließen sich durch die Analyse direkt auf dem Acker durch Anwendung des digitalen Spatens vermeiden.

Von einem Teilnehmer wurde kritisch darauf hingewiesen, dass die Messung einerseits zwar eine Vielzahl an Ergebnissen innerhalb kürzester Zeit liefern, dies jedoch im Umkehrschluss bedeute, dass dabei auch große Datenmengen erzeugt würden. Diese Daten müssten schlussendlich auch genutzt werden, um nicht einen „weiteren Daten-Friedhof“ zu erhalten. Der Verwendungszweck sei für ihn daher noch nicht hundertprozentig ersichtlich - insbesondere da die Ergebnisse bisher nicht von den staatlichen Stellen anerkannt würden. Grabbert betonte, dass sie die Fima Stenon in Bezug auf die Anerkennung der Messergebnisse mit den entsprechenden Stellen in Gesprächen befinde.  Ein weiterer Teilnehmer schlug vor, dass der digitale Spaten aufgrund der schnellen Ergebnisdarstellung ideal genutzt werden könne, um Problemstellen auf dem Acker besser nachzuvollziehen. Außerdem könnte der digitale Spaten in der überbetrieblichen Nutzung angewendet werden, sodass möglichst viele Betriebe dieses neue Verfahren der Bodenuntersuchung testen und auf ihren Flächen erproben können.

Nach den Vorträgen ging es für den praktischen Teil hinaus auf den Acker. Hier führte Tibor Tromposch von der Firma Stenon den Spaten im Einsatz vor. Während der aktiven Anwendung zeigte sich, dass zu viel Pflanzenmasse direkt an den Sensoren eine valide Bodenprobe behinderte. Wenn dieses Problem auftaucht, wird dies dem Nutzer sofort auf dem Acker angezeigt, sodass dieser Fehler mit einem neuen Einstich umgangen werden kann. Anschließend konnten die Teilnehmenden den Spaten sowie die direkte Ergebnisansicht auf dem Tablet selbst testen und bewerten. Besonders von der Praktikabilität und der einfachen Bedienung waren die Teilnehmenden begeistert.

Ein Dank geht an den Betriebsleiter Markus Moser, an Herrn Vogt-Kaute und an die Firma Stenon, ohne deren Beteiligung der Feldtag in dieser Form nicht möglich gewesen wäre.

 

Der Feldtag in Bildern

In der theoretischen Einführung erfahren die Teilnehmenden Wissenswertes über unterschiedliche Bodenuntersuchungsmethoden und die Funktionsweise des Stenon-Spatens. Foto: Johannes Weiß

Draußen auf dem Acker zeigte Stenon-Mitarbeiter Tibor Tromposch, wie der digitale Spaten in der Praxis funktioniert. Foto: Johannes Weiß

Text : Johannes Weiß, NutriNet Regioberater Bayern und Naturland Beratung

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Letztes Update dieser Seite: 14.05.2024