Warum wir als Betrieb im NutriNet forschen

Seit Beginn sind Lena Heilmeier und Toni Wollschläger im NutriNet aktiv. Ihr Betrieb ist stark auf Getreidebau ausgerichtet – und genau dort liegt auch eine zentrale Herausforderung. Die Praxisforschung im NutriNet ist für die beiden Lernraum und wertvolles Netzwerk zugleich. Die Versuche liefern nicht immer spektakuläre neue Ergebnisse, aber nichtsdestotrotz Erkenntnisse für betriebliche Entscheidungen.

Ihr seid seit 2019 im NutriNet dabei. Was hat euch motiviert?

Toni Wollschläger:
Für uns geht es um eine nachhaltige, zukunftsgerichtete Wirtschaftsweise. Wenn man dauerhaft Nährstoffe vom Betrieb abführt, muss man den Gedanken der Kreislaufwirtschaft konsequent mitdenken – genauso wie pflanzenphysiologische Zusammenhänge. Initiativen wie das NutriNet helfen uns, genau hier systematisch anzusetzen.

Lena Heilmeier:
Als schwerpunktmäßiger Getreidebaubetrieb haben wir hohe Nährstoffabfuhren. Unsere Erzeugnisse gehen nahezu vollständig in die menschliche Ernährung – die Nährstoffe kommen nicht zurück auf unsere Flächen. Besonders das Phosphor-Defizit beschäftigt uns. Auf einigen Schlägen liegen wir in den niedrigen Gehaltsklassen A bis B, bei pH-Werten bis 7,7. Gleichzeitig bringen klassische Maßnahmen wie Rohphosphat bei hohen P-Werten im Boden nicht automatisch den gewünschten Effekt. Hier suchen wir nach Lösungen.

Wie hilft euch die Praxisforschung bei diesen Themen weiter?

Toni Wollschläger:
Wir haben bei uns am Betrieb mehrere Versuche zum Thema Phosphor angelegt und unter anderem den Recyclingdünger Struvit getestet. In der Sprossmasse zeigten sich teilweise Unterschiede gegenüber herkömmlichen P-Düngern – im Kornertrag allerdings nicht. Solche Ergebnisse sind wertvoll. Sie helfen, Maßnahmen einzuordnen.

Lena Heilmeier:
Gerade weil die Rückgewinnung von Nährstoffen zunehmend diskutiert wird, ist es wichtig, eigene Erfahrungen zu sammeln und Entwicklungen über mehrere Jahre zu verfolgen. 
Ein großer Mehrwert sind auch die Field Schools im NutriNet. Viele  Landwirt*innen sind Einzelkämpfer. Das Netzwerk zeigt: Viele ringen mit ähnlichen Fragen – auch wenn die Bedingungen unterschiedlich sind. Der Austausch mit anderen Landwirtinnen und Landwirten ist enorm wertvoll – gerade auch mit Betrieben aus ganz anderen Regionen, mit anderen Fragestellungen als bei uns.

Wo liegen für euch Herausforderungen im Alltag der Praxisforschung?

Lena Heilmeier:
Naturereignisse bleiben ein Unsicherheitsfaktor. Eine Überschwemmung hat uns einmal einen Teil des Versuchs zerstört. In einem anderen Jahr kam das Struvit zu spät, sodass wir nicht wie geplant starten konnten. Und auch methodisch lernt man dazu: Einmal wurde die Sprossmasse bei großer Mittagshitze gewogen – der schnelle Gewichtsverlust hat das Ergebnis verfälscht. Solche Erfahrungen gehören dazu. Die wissenschaftliche Anlage mit dreifacher Wiederholung ist für unseren Betrieb dagegen gut machbar.

Letztes Update dieser Seite: 23.03.2026