Die Forschung gewinnt durch die Praxisperspektive
Praxisforschung ist eine eigenständige Forschungsform – mit besonderen Chancen und Herausforderungen. Sie lebt von Austausch und Zusammenarbeit. Doch was bedeutet das aus Sicht der Wissenschaft?
Wie würdest du deine Arbeit im Praxisforschungsnetzwerk beschreiben?
Im Projekt übernehme ich eine beratende und koordinierende Rolle. Mein Ziel ist es, gemeinsam mit den Berater*innen und Landwirt*innen die relevanten Fragestellungen der Betriebe herauszuarbeiten und passende Versuchsdesigns nach den jeweiligen Möglichkeiten zu erarbeiten. Das gilt auch für die Netzwerkversuche. Die Besonderheit hierbei ist, dass zehn Betriebe sich auf einen gemeinsamen Versuchsablauf einigen müssen und dieser auch umgesetzt werden muss. Meine Aufgabe ist es außerdem, dass aus den Praxisversuchen wissenschaftlich valide Ergebnisse entstehen.
Wie profitierst du als Wissenschaftler von der Zusammenarbeit mit landwirtschaftlichen Betrieben?
Die enge Zusammenarbeit mit Betriebsleiter*innen schärft meinen Blick für einen starken Praxisbezug in der wissenschaftlichen Arbeit. Versuchsanlagen können wir beispielsweise so gestalten, dass sie tatsächlich unter Praxisbedingungen funktionieren. Behandlungen wie Bodenbearbeitung oder Düngestrategien konzipieren wir so, dass sie von den Betrieben umsetzbar sind. Das erhöht die Reproduzierbarkeit der Ergebnisse – auch für andere Betriebe.
Gibt es einen persönlichen Mehrwert aus deiner langjährigen Arbeit?
Ein besonders prägender Moment ist, wenn Betriebe nach mehreren Jahren beginnen, eigenständig Feldversuche mit Wiederholungen anzulegen. Dann wird deutlich, dass Praxisforschung keine Einbahnstraße ist. Wir lernen von- und miteinander.
Was sind typische Herausforderungen für dich im Alltag der Praxisforschung?
Unterschiedliches Vorwissen, verschiedene Perspektiven und Erwartungen treffen aufeinander. Kommunikation, Wissensvermittlung und Koordination sind deshalb zentrale Aufgaben für mich als wissenschaftlichen Versuchsbegleiter.
Wichtig ist, wissenschaftliche Anforderungen klar zu vertreten – ohne Hierarchien aufzubauen. Forschung auf Augenhöhe bedeutet, methodische Standards zu sichern und gleichzeitig offen für Anpassungen zu bleiben.
Wo liegen die Grenzen der Praxisforschung – etwa im Hinblick auf wissenschaftliche Publikationen?
Auch in der Praxisforschung lassen sich wissenschaftliche Standards erfüllen – inklusive statistischer Absicherung und Peer-Review-Publikationen. Allerdings sind diese Prozesse personell aufwendig.
Wenn eine einzelne wissenschaftliche Stelle gleichzeitig Versuchsplanung, Begleitung, Auswertung, Koordination und Publikation verantwortet, stößt man schnell an Kapazitätsgrenzen. Praxisforschung braucht daher ausreichende Ressourcen, um sowohl Praxisbezug als auch wissenschaftliche Tiefe gewährleisten zu können.

