Field Schools – Wissen gemeinsam weiterentwickeln

In sechs Regionetzwerken in ganz Deutschland arbeiten je zehn Landwirtinnen und Landwirte gemeinsam an betriebsspezifischen Fragestellungen zum Nährstoffmanagement im ökologischen Landbau. Unterstützt werden sie dabei von einer Regioberaterin bzw. einem Regioberater. In sogenannten Field Schools tauschen sich die Landwirt*innen eines Netzwerks regelmäßig über ihre Erfahrungen aus.

Die Field Schools verknüpfen Gruppenberatung und Praxisforschung im Themenfeld Nährstoffmanagement. Sie schaffen eine optimale Umgebung, um gemeinsam betriebsindividuelle und standortangepasste Lösungsstrategien zu entwickeln. Von dem Fach- und Erfahrungswissen jedes einzelnen Gruppenmitgliedes zu den verschiedenen Nährstoffmanagementstrategien profitieren alle anderen. Ergänzt wird die Arbeit über Versuchsanlagen auf den teilnehmenden Betriebsflächen sowie über eine umfassende Datenauswertung und -begleitung.

Die Rolle des *der Regioberater*in ist zentral für das Gelingen des Prozesses. So gibt es keine*n Lehrer*in, der oder die das Fachwissen linear vermittelt. Die Gruppe einer Field School erarbeitet selbstständig Lösungen, indem sie auf die Erfahrungen und das Wissen der Gruppenmitglieder zurückgreift und sich darüber austauscht. Um dies zu ermöglichen, ist der*die Regioberater*in auch Prozessbegleiter*in und Moderator*in. Folglich bringt er oder sie sich zwar fachlich an der einen und anderen Stelle ein, koordiniert ansonsten aber lediglich ein lösungsorientiertes Arbeiten an den Fragestellungen der jeweiligen Landwirt*innen.

Besonderer Wert wird auf Selbstorganisation und Selbstreflexion bei den Landwirt*innen gelegt, die ihnen erlauben, das Gelernte aus der Gruppe auf die jeweils eigene Situation zu übertragen. So werden über die Zeit die Nährstoffmanagementstrategien erarbeitet und optimiert.

Über die Zeit wird ein Wir-Gefühl und eine vertrauliche Atmosphäre zwischen Regioberater*in und den zehn Landwirt*innen bzw. untereinander aufgebaut. Dies ist zentral, denn die Arbeit in der Field School erfordert von allen Offenheit und die Bereitschaft, etwas zu verändern. Diese Atmosphäre macht es gegebenenfalls möglich, blinde Flecken sichtbar zu machen und anzusprechen sowie bisher ungelöste Fragestellungen zu lösen. Fachlich bereichert wird die Field School über externe Gäste wie Expert*innen und/oder Fachberater*innen aus dem Nährstoffmanagement im Ökolandbau.

Wir orientieren uns an dem bereits in Deutschland erfolgreichen Konzept der Stable Schools[1] und an den Erfahrungen der Farmer Field Schools aus der Entwicklungszusammenarbeit im globalen Süden.

Text: Henrike Rieken, HNEE

 


[1] Über das Bundesprogramm ökologischer Landbau und andere Formen nachhaltiger Landwirtschaft (BÖLN) ist eine Pilotstudie zu sogenannten Stable Schools in Deutschland umgesetzt und veröffentlicht worden (vgl. Projekteintrag und Schlussbericht in Organic Eprints).

Ansprechpartnerin

Henrike Rieken
Tel. +49 3334 657-315
Henrike.Rieken(at)hnee.de

Literatur

  • Brinkmann J., March S. und Winkler C. (2013): Modellhafte Durchführung indikatorengestützter ‘Stable Schools’ als Managementtool zur Verbesserung der Tiergesundheit in der ökologischen Milchviehhaltung. Georg-August-Universität Göttingen (Download pdf-Datei, 9 MB)
  • Brinkmann J. und March S. (2018): Voneinander lernen: Stable Schools Tierwohl macht Schule Empfehlungen aus der Wissenschaft und Erfahrungen aus der Praxis. Thünen-Institut für ökologischen Landbau, Westerau (Download pdf-Datei, 1,51 MB)
  • Dhamankar M. and Wongtschowski M. (2014): Farmer Field Schools (FFS). Note 2. GFRAS Good Practice Notes for Extension and Advisory Services. GFRAS, Lindau, Switzerland (Download pdf-Datei, 365 KB)
  • Feder G., Murgai R. und Quizon J. (2003): Sending farmers back to school: The impact of farmer field schools in Indonesia. Policy Research Working Paper 3022. The World Bank, Washington
    (Download pdf-Datei, 1,69 MB)
  • Food and Agriculture Organization of the United Nations (FAO) (2016): Farmer field school Guidance document. Planning for quality programmes
    (Download pdf-Datei, 4,7 MB)